Die
Vorbereitung der zur Abfüllung benötigten Geräte
(dieser Text wurde von unserem ehem. Lehrling
Rüdiger Strubel im Rahmen seine Ausbildung verfaßt und von uns korrekturgelesen)
Die
Abfüllung ist der letzte Schritt in der Weinbereitung, da mit ihr der Wein vom
Keller in den Verkauf übergeht.
Aus diesem Grund ist eine sehr sorgfältige und genaue Arbeitsweise bei der Vorbereitung
der Geräte unumgänglich. Denn jeder noch so kleine Fehler kann teure Folgen
haben. Würde ein Wein zum Beispiel nach der Füllung sich trüben, müßte man sämtliche
Flaschen dieser Füllung aufziehen, den Wein nach behandeln und ihn nochmals
abfüllen.
Wie
kann eine Trübung durch ungenaue Arbeitsweise bei den Vorbereitungen entstehen?
Durch eine nicht gründliche Arbeitsweise können Keime (Hefen und Bakterien),
die sich in der Luft befinden, in den Wein gelangen. Die Keime können dann ein
Gärung oder einen Säureabbau bewirken. Da es hierbei zu einer Vermehrung der
Keime kommt, wird der Wein durch die Keime getrübt. Diese Trübung ist durch
eine Filtration zu beheben, doch die geschmackliche Beeinflussung ist meist
nicht zu korrigieren. Wenn der Wein völlig keimfrei in völlig keimfreie Flasche
gelangt, ist das Auftreten von Trübungen die durch Keime verursacht werden nicht
möglich. Allerdings können Trübungen auch durch Labiles oder überschüssige Schwermetalle
usw. verursacht werden.
Doch was muß ich tun, um dem Wein alle Keime zu entziehen. Hierzu muß ich den
Wein einer Entkeimungs-Filtration unterziehen. Dies kann ich mit einem Schichtenfilter
und so genannten Sterilschichten tun. Doch dabei ist zu beachten, daß Hefen
eine Größe von ca. 2,5 mm und säureabbauende Bakterien eine Größe von 0,5 -0,9
mm besitzen. Da die Poren in einer Filterschicht allerdings nicht so klein sind,
werden Hefen und Bakterien nur über die Tiefenwirkung (unterschiedliche Oberflächenladung)
der Kieselgur, die in den Schichten enthalten ist, heraus gefiltert. Dies bedeutet,
daß ich nie alle Keime in der Größe von 0,5-2,5 mm entfernen kann. Weiterhin
ist bei der Sterilfiltration mit Filterschichten zu beachten, daß pro Stunde
nicht mehr als 50l pro Schicht filtriert werden und eine gewisse max. Leistung,
die je nach Hersteller unterschiedlich ist, nicht überschritten wird. Ebenfalls
darf die Druckdifferenz zwischen Ein- und Ausgang des Filters nicht höher als
1,5 bar sein. Diese Filtration könnte ich auch noch mit einem Kerzenfilter durch
führen, die Kerzen die ich dafür benötigte gibt es in den Porengrößen 0,45 und
0,2 mm. Diese Werte geben die Größe der größten Poren in dem verwendeten Material
an. Hierbei sollte nur beachtet werden, das der Druck auf den Kerzen nicht höher
als 3 bar ist, und Die Filtermaterialien in der Filterkerzen noch nicht gerissen
sind. Dies stellt man mit Hilfe des Bubbel-Point-Test fest. Dieser Test beruht
darauf, daß durch die Kerzen zwar Wasser aber keine Luft fließt, also leitet
man einfach nach dem Dämpfen und Wässern sterile Luft, unter einem gewissen
Druck (Herstellerangabe beachten), in den Kerzenfilter und kontrolliert ob der
Filter diesen Druck eine gewisse Zeit hält. Wenn ja ist der Filter noch in Ordnung.
Die Kerzen sollte allerdings, auch wenn sie noch in Ordnung sind, nach einer
vom Hersteller empfohlenen max. Leistung oder nach einem Jahr gewechselt werden.
Oben habe ich die Begriffe Dämpfen und Wässern erwähnt. Unter Dämpfen versteht
man, daß ich etwas, wie meine Filter und mein Füller mit Dampf desinfiziere,
und Wässern bedeutet, daß ich Geschmackstoffe der Filterhilfsstoffe aus den
Filtern schwemme. Zum Dämpfen und Wässern eines Kerzenfilters ist zu erwähnen,
daß alle Medien nur in einer Flußrichtung geleitet werden dürfen, und der Filter
also nicht so wie der Schichtenfilter gegen die normale Flußrichtung gedämpft
wird. Alle Geräte sollten solange gedämpft werden, bis der Dampf etwa 20-30
min Handbreit aus allen Öffnungen und Ventilen ausströmt.
Von nun an sollte man stets daran denken, daß alles steril ist und wenn nun irgend ein unsteriler Gegenstand in die Klarseite meines Filters oder an meinen Füller kommt, muß ich die jeweilige Stelle wieder desinfizieren. Ein weiterer Risikofaktor sind noch die Korken. Eigentlich weniger die Korken die meisten steril verpackt sind als das Einfüllen der Korken in den Korktrichter, denn hierbei können Hefen oder Bakterien, die man an den Händen hat, sich an einen Korken anlagern, der dann wiederum die anderen Korken infiziert. Aus diesem Grund sollten Korken die man einmal in der Hand hatte nicht mehr in den Korktrichter gelangen, und bevor man einen Pack Korken öffnet sollte man sich die Hände, sowie das Messer mit dem man den Beutel aufschneidet und die Stelle am Beutel, an der man ihn auf schneiden wird, mit einem Alkoholspray desinfizieren. Bei dem Strilisator für die Flaschen, die meistens mit SO2 oder Peressigsäure arbeiten, sollte dafür gesorgt werden, daß genügen von dem jeweiligen Mittel vorhanden ist (bei sprühenden Geräten müßte genügend Mittel vorbereitet werden). Genauso sollte man dafür Sorge tragen daß die Filtersysteme für das Wasser, das zum Ausspülen der Flaschen benötigt wird, kein unsteriles Wasser erzeugen. Dies kann geschehen wenn die Filter mehrfach benutzt werden und zwischen zwei Abfüllungen längere Zeit in feuchter Umgebung stehen.
Nun
möchte ich ihnen dies an einem Praktischen Beispiel darstellen. Wenn im Weingut
M. Birkert abgefüllt wird, bin ich oft dafür zuständig die Verschiedenen zur
Abfüllung benötigten Geräte vorzubereiten. Hierbei fülle ich zuerst den Dämpfer
mit heißem Wasser und schalte ihn ein. Dieser benötigt 10 Minuten um das Wasser
zum Sieden zubringen. In der Zeit spüle ich den Schichtenfilter (Schenk 40x40)
und setze die Schichten ein. Da wir im Weingut M. Birkert auch mit einem Kerzenfilter
(Pall; 3 Kerzen) arbeiten, sind wir mit Armaturen so ausgestattet, daß ich die
beiden Filter zusammen schließen kann und beide Filter gleichzeitig dämpfen
kann. Während dem ich die beiden Filter dämpfe, wende ich mich dem Füller (SEN
Triax) zu. Diesen spüle ich dann erst mit Wasser ab um evtl. an gelagerten Staub
zu entfernen. Anschließend verschließe ich den Vorratsbehälter des Füllers,
sorge dafür, daß die Dämpfklammern angebracht sind und stelle alle Ventile auf
die Stellung zum dämpfen. Jetzt sind die Filter meistens soweit erwärmt, daß
aus allen Ventilen der Dampf handbreit austritt. Also verbinde ich den Füller
mit dem Kerzenfilter, mit einem Schlauch, der während der Füllung auch diese
Geräte verbindet und dämpfe so den Füller mit. Durch diesen Zusammenschluß spare
ich Dampf und Zeit. Nun setze ich das Korkschloß, das ich gut mit einem Alkoholspray
ein sprühe, und den Greifstern des Füllers ein. Danach wird der Korktrichter
mit schwefliger Säure ausgerieben, die ich dem Sterilisator entnehmen kann.
Inzwischen sind 20 Minuten vergangen und ich kann damit aufhören, die Filter
zu dämpfen, den Dämpfer schließe ich dann an den Füller an (über ein 3-Wege-Ventil),
da dieser noch ca. 10 Minuten gedämpft werden muß. In der Zwischenzeit wässere
ich dann die Filter und bereite die Pumpe sowie die restlichen Schläuche vor.
Wenn der Füller fertig gedämpft ist räume ich den Dämpfer weg, und kümmere mich
dann um den Sterilisator. Bei unserem Tauchbad-Sterilisator bedeutet dies, daß
ich die Filtergehäuse, die die Filter aufnehmen, die das Wasser filtrieren,
mit welchem die Flaschen aus gespült werden, bis zur Hälfte mit schwefliger
Säure befülle und setze die Filter ein. Danach schließe ich ihn an die Wasserleitung
wie an den Kompressor und an die Schwefeldioxidflasche an. Nun muß nur noch
das SO2-Absaug-Gebläse eingeschaltet werden.
Jetzt sind alle Geräte zur Füllung vorbereitet und es kann mit dem Abfüllen
begonnen werden.